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Druck-Magazin

Falzarten im Printdesign: Wickelfalz, Zickzackfalz und Altarfalz

Veröffentlicht am 19. Oktober 2026

Ein Faltblatt – im Fachjargon Folder genannt – bietet gegenüber dem klassischen Einblattflyer einen entscheidenden Vorteil: Er strukturiert komplexe Inhalte über mehrere Seiten hinweg und führt den Betrachter schrittweise durch die Information. Während das Format im geschlossenen Zustand oft handlich bleibt (wie etwa das gängige Format DIN lang), entfaltet sich beim Öffnen eine strukturierte Fläche für Text- und Bildwelten.

Die Wahl der passenden Falzart beeinflusst dabei maßgeblich, wie Informationen wahrgenommen werden. Werden Inhalte nacheinander enthüllt, als großes Panorama präsentiert oder wie eine Bühne geöffnet? Um Fehler in der Druckvorstufe zu vermeiden, müssen grafische Konzeption und produktionstechnische Vorgaben von Beginn an präzise aufeinander abgestimmt sein.

Der Wickelfalz: Der Klassiker für chronologische Inhalte

Der Wickelfalz (auch Rollfalz genannt) ist die am häufigsten eingesetzte Falzvariante für sechs- oder achtseitige Folder. Die Seiten werden dabei ohne Richtungswechsel ineinander „eingewickelt“.

### Funktionsweise und Einsatzbereich Beim Öffnen eines typischen 6-seitigen Wickelfalz-Folders sieht der Leser zunächst das Titelblatt (Seite 1). Nach dem Aufklappen nach rechts liegt die Seite 2 vor ihm, während Seite 5 und 6 zunächst noch verdeckt bleiben. Erst durch das zweite Aufklappen wird der dreiseitige Innenteil sichtbar.

Dieser Falz eignet sich besonders für: Schritt-für-Schritt-Erklärungen und Anleitungen Klassische Unternehmens- und Leistungsübersichten * Produktpräsentationen mit klarer Hierarchie

### Technische Besonderheit: Die Einlaufseite Ein häufiger Fehler in der Gestaltung von Wickelfalz-Foldern betrifft die Seitenbreiten. Da die nach innen geklappte Seite (die sogenannte Einlauf- oder Einschlagseite) im geschlossenen Zustand zwischen den beiden äußeren Seiten liegt, muss sie zwingend schmaler angelegt werden. Andernfalls stößt das Papier im Bund an, und das Produkt wölbt sich unschön auf.

Bei einem gängigen DIN-lang-Folder (offenes Format 297 × 210 mm) teilen sich die Seitenmaße üblicherweise wie folgt auf: Vorderseite und Rückseite: jeweils 100 mm Einschlagseite: 97 mm

Bei höheren Grammaturen ab 170 g/m² kann es notwendig sein, die Einschlagseite sogar um 4 mm zu verkürzen.

Der Zickzackfalz: Das flexible Leporello

Beim Zickzackfalz (auch Leporellofalz) wechselt die Falzrichtung mit jedem Bruch. Die Seiten werden ziehharmonikaartig gefaltet.

### Funktionsweise und Einsatzbereich Der Zickzackfalz besitzt keine klassische „Innenseite“ im Sinne des Wickelfalzes, sondern zwei gleichwertige Seitenstränge (Vorder- und Rückseite der Papierbahn). Das Faltblatt lässt sich entweder Seite für Seite durchblättern oder vollständig auseinanderziehen.

Typische Einsatzbereiche: Mehrsprachige Broschüren (z. B. Deutsch auf der Vorderseite, Englisch auf der Rückseite) Zeitstrahlen, Historien und tabellarische Übersichten Stadtpläne, Wanderkarten und Menükarten Beliebig erweiterbar auf 8, 10, 12 oder mehr Seiten

### Technische Besonderheit: Gleiche Seitenbreiten Im Gegensatz zum Wickelfalz müssen beim Zickzackfalz alle Einzelseiten exakt dieselbe Breite aufweisen. Da kein Teil in einen anderen hineingefaltet wird, entfällt das Kürzen von Seiten.

Allerdings erfordert der Zickzackfalz eine besonders stringente Gestaltung: Da der Betrachter das Dokument komplett aufziehen kann, müssen die Übergänge zwischen den Spalten harmonisch wirken, selbst wenn die Seiten formal getrennt sind.

Der Altarfalz: Die bühnenhafte Präsentation

Der Altarfalz (gelegentlich als Fensterfalz bezeichnet) verdankt seinen Namen der Ähnlichkeit mit den Flügeln eines Flügelaltars. Hierbei klappen die beiden äußeren Seiten nach innen ein und treffen sich in der Mitte, ohne sich zu überlappen.

### Offener vs. geschlossener Altarfalz Man unterscheidet zwei Varianten: 1. Offener Altarfalz (6 Seiten): Die beiden Außenflügel klappen zur Mitte hin auf. Öffnet man sie, offenbart sich direkt das große, doppelt breite Mittelfeld. 2. Geschlossener Altarfalz (8 Seiten): Hier wird das bereits im Altarfalz gefaltete Produkt in der Mitte nochmals parallel zusammengefaltet. Erst beim Aufklappen entsteht der eigentliche Altar-Effekt.

Einsatzbereiche: Hochwertige Einladungen und Eventankündigungen Präsentationen neuer Leitprodukte oder Immobilien * Imageflyer mit Überraschungs- oder Enthüllungsmoment

### Technische Besonderheit: Spaltmaß und Falztoleranzen Damit die beiden Außenklappen sauber schließen und nicht übereinanderlappen, müssen sie jeweils etwas schmaler als die Hälfte des Mittelteils angelegt werden. Ein Spaltmaß von etwa 1 bis 2 mm in der Mitte ist produktionstechnisch notwendig, um Falztoleranzen der Maschine auszugleichen.

Papierstärke, Laufrichtung und Rillung

Unabhängig von der Falzart entscheiden Papier und Weiterverarbeitung über das Endergebnis:

  • Grammatur und Rillen: Bis zu einem Papiergewicht von ca. 135 bis 150 g/m² kann Papier direkt gefalzt werden. Ab 170 g/m² (insbesondere bei gestrichenem Bilderdruckpapier) muss das Papier vor dem Falzen gerillt oder genutet werden. Unterbleibt dieser Schritt, brechen die Papierfasern am Rücken auf, und die Druckfarbe platzt sichtbar ab.
  • Laufrichtung: Die Laufrichtung des Papiers (Breitbahn oder Schmalbahn) muss zwingend parallel zum Hauptfalz verlaufen. Ein Falzen gegen die Laufrichtung führt zu welligen Kanten und erhöhtem Widerstand beim Schließen.
  • Materialwahl: Bei der Wahl von FSC-zertifizierten Naturpapieren oder Recyclingpapieren verhalten sich die Fasern oft voluminöser als bei gestrichenen Sorten, was bei der Falzanlage im Layout berücksichtigt werden muss.

Fazit und Druckdatenerstellung

Die Konzeption eines Faltprodukts verlangt mehr als nur ein ansprechendes Layout auf Einzelseiten: Sie erfordert räumliches Denken und die exakte Einhaltung von Falzkanten, Spaltenabständen und Einschlagmaßen bereits in der Satzdatei.

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